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Automatisierte Betriebsführung: Was ein Ladepark selbst erledigen sollte

Veröffentlicht am · von Axel Voigt

Ein Ladepunkt ist eine Maschine im Freien mit Zahlungsfunktion und Datenverbindung. Störungen sind kein Ausnahmefall, sondern Betriebsalltag. Welche davon niemals einen Menschen erreichen sollten — und welche Kennzahl darüber entscheidet, ob ein Portfolio skaliert.

Solange ein Betreiber einen Standort hat, ist Betriebsführung kein Thema. Fällt etwas aus, geht jemand hinüber und steckt es neu. Bei zwanzig Standorten wird daraus ein Terminkalender. Bei zweihundert wird daraus die Frage, ob das Geschäftsmodell überhaupt trägt.

Die Kennzahl, an der sich das entscheidet, ist unspektakulär: Minuten menschlicher Arbeit je Ladepunkt und Monat. Sie steht in keinem Datenblatt, aber sie bestimmt, ab welcher Portfoliogröße die Marge aufgezehrt ist.

Der Störungskatalog, den jeder Betreiber kennt

Was im Betrieb tatsächlich passiert, ist überschaubar und wiederholt sich:

  • Der Ladepunkt ist offline. Mobilfunkzelle überlastet, Router hängt, IP-Adresse neu vergeben. Der Ladepunkt selbst ist in Ordnung.
  • Ein Vorgang hängt. Das Fahrzeug ist längst weg, die Sitzung ist im Backend nie beendet worden. Der Ladepunkt gilt als belegt, der nächste Kunde findet ihn blockiert, und abgerechnet ist auch nichts.
  • Das Kabel entriegelt nicht. Aus Sicht des Kunden der schlimmste Fall, weil sein Auto festhängt.
  • Nach einem Neustart kommt der Ladepunkt in einem anderen Zustand zurück, als das Backend erwartet — Zählerstand, Transaktionsnummer und Uhrzeit passen nicht mehr zusammen.
  • Ein Messdatensatz ist unvollständig. Ohne vollständige, signierte Werte ist der Vorgang gegenüber dem Kunden nicht eichrechtssicher abrechenbar.
  • Die Zahlung scheitert oder wird zurückgebucht.
  • Ein Roaming-Datensatz wird abgelehnt. Der Partner akzeptiert den Vorgang nicht, das Geld kommt nicht.

Auffällig daran: Nur zwei dieser sieben Fälle verlangen überhaupt, dass jemand zum Standort fährt. Alle anderen sind Datenprobleme.

Vier Schichten, von denen nur die oberste einen Menschen braucht

1. Erkennen. Ein Ladepunkt, der sich nicht meldet, ist einfach zu entdecken. Schwieriger sind die stillen Fehler: der Vorgang, der seit neun Stunden läuft, obwohl das Fahrzeug 22 kWh fasst. Der Ladepunkt, der online ist, aber seit zwei Tagen keine Transaktion mehr hatte, obwohl er sonst acht am Tag hat. Der Zählerstand, der rückwärts läuft. Diese Fälle melden sich nicht — man muss aktiv nach ihnen suchen.

2. Einordnen. Nicht jede Abweichung ist eine Störung. Ein Standort, dessen Router jede Nacht um drei neu startet, erzeugt jede Nacht eine Offline-Meldung. Wenn daraus jede Nacht ein Ticket wird, hört nach zwei Wochen jeder auf hinzusehen — und übersieht die Nacht, in der der Router nicht zurückkommt. Ein Alarm, der zu oft kommt, ist schlimmer als keiner.

3. Selbst beheben. Ein hängender Vorgang lässt sich beenden. Ein Ladepunkt lässt sich aus der Ferne neu starten. Ein Zustand, der nach einem Verbindungsabbruch auseinandergelaufen ist, lässt sich beim Wiederverbinden abgleichen, statt auf einen Anruf zu warten. Diese Eingriffe sind Standard-OCPP — der Unterschied liegt darin, ob sie jemand von Hand auslöst oder ob das System sie selbst und protokolliert durchführt.

4. Eskalieren. Was übrig bleibt, gehört zu einem Menschen — aber mit allem, was er braucht, um es beim ersten Anlauf zu erledigen: welcher Ladepunkt, seit wann, was bereits automatisch versucht wurde, und ob eine Fahrt zum Standort nötig ist oder nicht.

Der Teil nach dem Laden

Betriebsführung endet nicht, wenn der Stecker gezogen wird. Danach kommen Rechnungsstellung, Zahlungseinzug, Roaming-Abrechnung und Berichte — die Vorgänge, die in vielen Organisationen ein monatliches Ritual sind.

Genau dieses Ritual ist automatisierbar, und zwar vollständig: die eichrechtskonforme Rechnung aus den signierten Messwerten, der Einzug per SEPA oder Karte, die Auszahlung an Roaming-Partner, die Auswertung je Standort und Kostenstelle. Die aCharge Cloud bildet diese Kette ab, inklusive automatisierter Auszahlungen im Roaming über OCPI und Hubject; für Rückfragen im Tagesgeschäft steht der Assistent Amber direkt im Produkt.

Auf der Anlagenseite gehört die Fernüberwachung dazu: aCharge DYLAMO meldet den Zustand des Standorts, auch den der Verbraucher, die keine Ladepunkte sind.

Verfügbarkeit ist eine Zahl, die Sie liefern müssen

Ein weiterer Grund, warum Betriebsführung nicht nebenbei läuft: Verfügbarkeit ist zunehmend eine Größe, die nach außen berichtet wird — gegenüber Vermietern, gegenüber Auftraggebern in Ausschreibungen, gegenüber Förderstellen.

Wer diese Zahl nennen soll, muss sie messen. Und wer sie messen will, braucht die Unterscheidung zwischen „Ladepunkt defekt“, „Ladepunkt offline, aber funktionsfähig“ und „Ladepunkt belegt“ — eine Unterscheidung, die genau dort verloren geht, wo hängende Vorgänge nicht automatisch aufgeräumt werden.

Was Sie prüfen sollten

  1. Kennen Sie Ihre Minuten je Ladepunkt und Monat? Wenn nicht, messen Sie sie einen Monat lang. Es ist die einzige Zahl, die sagt, ob Sie skalieren können.
  2. Wie viele Alarme pro Woche erzeugt Ihr System — und wie viele davon führen zu einer Handlung? Ein schlechtes Verhältnis ist ein Befund, kein Nebeneffekt.
  3. Werden hängende Vorgänge automatisch beendet? Sie sind die häufigste stille Ursache für blockierte Ladepunkte und fehlende Umsätze.
  4. Was passiert nach einem Verbindungsabbruch? Gleicht das System den Zustand ab oder wartet es auf einen Anruf?
  5. Läuft die Abrechnung ohne Monatsritual? Rechnung, Einzug, Roaming-Auszahlung, Bericht — jeder manuelle Schritt darin skaliert linear mit dem Portfolio.

Wenn Sie Ihren Betrieb daraufhin durchsehen möchten: Sprechen Sie uns an.


Stand: 9. Mai 2023.

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