Grundlagen
Was ist ein CPMS?
Charge Point Management System — auf Deutsch Ladesäulenverwaltung. Die Software, die aus Ladepunkten einen Betrieb macht: Zugang, Tarife, Abrechnung, Überwachung. Was dazugehört, was nicht, und woran man ein brauchbares erkennt.
Kurz gesagt
Ein CPMS (Charge Point Management System, deutsch Ladesäulenverwaltung) ist eine Software, mit der Ladepunkte für Elektrofahrzeuge zentral betrieben werden. Sie steuert, wer laden darf, zu welchem Tarif abgerechnet wird und in welchem Zustand jeder Ladepunkt ist. Die Verbindung zur Ladehardware läuft über das offene Protokoll OCPP, weshalb ein CPMS Ladepunkte verschiedener Hersteller gemeinsam betreiben kann.
Der Funktionsumfang
Vier Aufgaben, die jedes CPMS erfüllen muss
Alles andere ist Ausstattung. Fehlt eine dieser vier, ist es kein CPMS, sondern ein Monitoring-Werkzeug.
Zugang
Wer darf an welchem Ladepunkt laden — per RFID-Karte, App, QR-Code oder anonym ad hoc. Ohne Zugangssteuerung ist jeder Ladepunkt eine offene Steckdose.
Tarife
Preise je Nutzergruppe, Zeitfenster oder Standort. Mitarbeitende zahlen anders als Gäste, und beides muss vor dem Start des Ladevorgangs sichtbar sein.
Abrechnung
Jede Kilowattstunde dem Verursacher zuordnen und in eine belastbare Rechnung überführen. In Deutschland heißt belastbar: eichrechtskonform.
Betrieb
Zustand, Störungen, Fernentriegelung, Firmware. Ein Ladepunkt, dessen Ausfall niemandem auffällt, ist mehrere Wochen im Jahr keiner.
Abgrenzung
Zwei Systeme, die ständig verwechselt werden
Die häufigste Fehlannahme beim Einkauf ist, dass eine Software beides erledigt. Sie können von einem Anbieter kommen — müssen es aber nicht, und die Entscheidung sollte bewusst fallen.
Der praktische Unterschied: Das eine läuft vor Ort weiter, wenn die Internetverbindung abreißt. Das andere nicht — und muss es auch nicht, solange es die Ladevorgänge später korrekt nachträgt.
| CPMS | Lastmgmt. | |
|---|---|---|
| Entscheidet | wer und zu welchem Preis | wie viel Leistung |
| Läuft | in der Cloud | vor Ort |
| Bei Ausfall | rechnet später nach | regelt weiter |
| Protokoll | OCPP | Modbus TCP, OCPP |
| Bei aCharge | aCharge Cloud | TELECONTROL / DYLAMO |
Beim Vergleich
Sechs Fragen, die den Unterschied machen
Die Grundfunktionen haben alle Anbieter. Unterschiede zeigen sich an den Stellen, die im Datenblatt selten stehen.
Welche OCPP-Versionen?
1.6 ist der Marktstandard, 2.0.1 die Zukunft. Wer nur 1.6 kann, begrenzt die Hardware, die Sie später kaufen dürfen.
Eichrecht enthalten?
In Deutschland ist die eichrechtskonforme Abrechnung keine Option, sondern Pflicht, sobald nach kWh abgerechnet wird.
Wer zieht das Geld ein?
Rechnungen erzeugen kann jedes System. Der Unterschied ist, ob auch der Einzug per SEPA oder Karte dazugehört.
Ad-hoc-Laden ohne App?
Seit AFIR verpflichtend an öffentlichen Ladepunkten — und der häufigste Beschwerdepunkt bei Gastnutzern.
Roaming über welche Hubs?
Ein Hub oder mehrere entscheidet darüber, wie viele fremde Ladekarten an Ihrem Standort funktionieren.
Eigene Marke möglich?
Für Stadtwerke und Energieversorger der entscheidende Punkt: erscheint die Anlage unter Ihrem Namen oder unter dem des Softwareanbieters?
In Deutschland
Drei Regelwerke, die die Auswahl einschränken
International vergleichbare Systeme scheiden hier regelmäßig aus, weil sie Anforderungen nicht erfüllen, die es außerhalb Deutschlands so nicht gibt. Prüfen Sie diese drei, bevor Sie Funktionslisten vergleichen.
Mess- und Eichgesetz
Wer nach Kilowattstunden abrechnet, muss die Messung nachweisbar machen: signierte Messwerte, meist im Format OCMF, dauerhaft prüfbar durch die abgerechnete Person. Ein CPMS, das nur eine Zahl aus der Ladestation übernimmt und in eine Rechnung schreibt, erfüllt das nicht — und das fällt erst bei einer Beschwerde auf.
EU-Verordnung 2023/1804
An öffentlich zugänglichen Ladepunkten muss ad hoc geladen werden können — ohne Vertrag, ohne App-Installation, mit gängigem Zahlungsmittel. „Öffentlich zugänglich" ist dabei weiter gefasst, als viele Betreiber annehmen: ein frei anfahrbarer Kundenparkplatz zählt in der Regel dazu.
Netzdienliche Steuerung
Ladepunkte gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtungen; der Netzbetreiber darf sie im Bedarfsfall temporär begrenzen. Das betrifft primär das Lastmanagement, hat aber eine CPMS-Seite: Der reduzierte Ladevorgang muss korrekt abgerechnet und dem Nutzer erklärbar bleiben.
Begriffe
Wer in einem Angebot eigentlich wer ist
Diese Kürzel stehen in fast jedem Angebot und werden selten erklärt. Sie entscheiden darüber, wem die Ladepunkte gehören, wer die Rechnung schreibt und wer für die Messung geradesteht.
- CPO
- Charge Point Operator — betreibt die Ladepunkte technisch: Anbindung, Verfügbarkeit, Preise am Standort. Wenn Sie Ladeinfrastruktur auf eigenem Grund betreiben, sind Sie CPO, auch wenn Sie es nicht so nennen.
- EMP / MSP
- E-Mobility Provider — gibt die Ladekarten und Apps an Fahrende aus und rechnet mit ihnen ab. Über Roaming funktioniert die Karte eines EMP auch an Ladepunkten fremder CPOs.
- MSB
- Messstellenbetreiber — verantwortet den geeichten Zähler. Bei Ladeinfrastruktur ist das oft der Netzbetreiber, kann aber auch ein Dritter sein; die Rolle ist der Grund, warum eichrechtskonforme Abrechnung nicht allein Softwaresache ist.
- Roaming-Hub
- Vermittelt zwischen CPOs und EMPs, damit fremde Ladekarten funktionieren. In Deutschland dominiert Hubject (OICP); daneben steht der offene Standard OCPI.
Ein Beispiel
aCharge Cloud ist ein solches System
Entwickelt in Aachen, betrieben in Deutschland, ausgelegt von einem Standort bis zu hunderttausenden Ladepunkten. Ladepunkte werden über OCPP 1.6, 1.6 Security und 2.0.1 angebunden, jeder Ladevorgang wird eichrechtskonform abgerechnet, und der Betrieb ist unter eigener Marke möglich.
Häufige Fragen